Awareness für das Risiko Typ 2-Diabetes unter Erwachsenen in der ersten Lebenshälfte – Informationsverhalten, Bedürfnisse, Informationsaufbereitung und -vermittlung (Take Care)

Prof. Dr. Ulla Walter1, Prof. Dr. Karin Lange2, Prof. Dr. Marie-Luise Dierks1

1Medizinische Hochschule Hannover, Institut für Epidemiologie, Sozialmedizin und Gesundheits-systemforschung
2Medizinische Hochschule Hannover, Forschungs- und Lehreinheit Medizinische Psychologie

 

Hintergrund und Zielsetzung

Die kontinuierlich steigende Prävalenz von Typ 2 Diabetes (T2D) erfordert dringend effektive primär- und sekundärpräventive Maßnahmen, bei denen jüngere Risikogruppen stärker ins Auge gefasst werden. Bisherige Angebote richten sich vor allem an ältere Bevölkerungsgruppen. Um jüngere Menschen effektiv und bedarfsgerecht anzusprechen, werden in der vorliegenden Studie folgende Fragen untersucht: Wie bewusst sind sich junge Erwachsene ihres individuellen Risikos für T2D? Welchen Informationsbedarf haben sie zu T2D? Und über welche Zugangswege und Medien sind sie erreich- und ansprechbar?

Vorgehensweise

In leitfadengestützten Fokusgruppen und Einzelinterviews wurden Menschen zwischen 18 und 41 Jahren mit erhöhtem T2D-Risiko (Übergewicht und/oder Gestationsdiabetes) befragt. Dabei wurden deren Wissen, das individuelle Risikobewusstsein hinsichtlich T2D, allgemeine Gesundheitsinteressen, bevorzugte Informationsquellen, Strategien zur Bewertung von Gesundheitsinformationen und das generelle Medienverhalten adressiert. Die qualitativen Aussagen wurden inhaltsanalytisch ausgewertet.

Ergebnisse

In zwei Teilprojekten wurden 16 Fokusgruppen und 8 Einzelinterviews mit insgesamt 65 Frauen und 26 Männern durchgeführt. Im Bereich Gesundheit haben die Befragten vor allem Interesse an den Lebensstilaspekten Ernährung und Bewegung. Das eigene T2D Risiko wird in der Regel gering eingeschätzt und T2D als Alterserkrankung mit guter Prognose eingeordnet. Informationen zu Gesundheitsthemen werden von den Teilnehmenden in erster Linie im Internet eruiert, wenn das jeweilige Thema von aktuellem persönlichem Interesse ist. Als besonders vertrauenswürdige Quelle in Gesundheitsfragen werden die Hausärztin bzw. der Hausarzt genannt. Sobald finanzielle Interessenskonflikte bei Gesundheitsinformationen ersichtlich sind, sinkt das Vertrauen in Angebote. Die allgemeine Mediennutzung konzentriert sich vorrangig auf Online-Angebote, im Fokus steht YouTube. Facebook und Instagram sind die sozialen Medien der Wahl. Die Bedeutung von Print-Medien und Fernsehen ist unter vergleichsweise jüngeren Befragten eher gering.

Relevanz für die Nationale Aufklärungs- und Kommunikationsstrategie

Mit dem Projekt wird eine bisher in der Prävention von T2DM zu wenig beachtete Zielgruppe in den Mittelpunkt gerückt. Diese Gruppe ist potenziell noch in der Lage, die Manifestation eines T2DM zu vermeiden. Als junge Eltern haben sie – bei entsprechender Information und Unterstützung – die Möglichkeit, das Gesundheitsverhalten ihrer Kinder frühzeitig positiv auszurichten.

Die Sichtung und Analyse der Maßnahmen gibt Hinweise auf weiter zu nutzende, qualitativ hochwertige erfolgversprechende Informationsangebote einschließlich neuer Medien und präventive Interventionen für die zentrale Zielgruppe der jüngeren Erwachsenen inkl. Frauen mit Gestationsdiabetes. Über die Identifikation von Lücken ermöglicht sie Aussagen zu einem spezifischen Handlungsbedarf.

Für die Konzeption einer nationalen Aufklärungs- und Kommunikationsstrategie können die Ergebnisse zu Awareness, aber auch zum vorliegenden Wissen und Verständnis der Erwachsenen in der ersten Lebenshälfte genutzt werden. Der Einbezug besonders vulnerabler Subgruppen gibt Hinweise, inwieweit spezifische Strategien und mit welchem Fokus diese erforderlich sind.
Die gewonnenen Daten können zudem auf potenziell effektive interaktive Zugangswege über soziale Medien, Influencer, Blogs und präferierte TV-Formate (virtual reality) in den Zielgruppen hinweisen.

Fazit des Projektes

Informationen zum T2D sollen personalisiert an aktuell relevante Herausforderungen junger Erwachsener gekoppelt werden. Hierzu zählen u. a. Schwangerschaft, Kindererziehung, Kitas, Schulen und der Freizeitbereich. Die Phase der Familiengründung stellt dazu eine besonders sensible Phase für Präventionsmaßnahmen dar. Besonders hohe Akzeptanz finden face-to-face Kontakte mit Ärzten einerseits und webbasierte (YouTube) Informationen andererseits. Für webbasierte Angebote wird die Etablierung eines Qualitäts-Siegel mit hoher Reputation empfohlen.