Kommunikations- und Zugangswege für vulnerable Gruppen (COME-UP)

Dr. Dawid Pieper1, Annika Lena Neuhaus1, Jessica Breuing1

1Private Universität Witten/Herdecke, Köln

 

Hintergrund und Zielsetzung

Die Diabetesprävalenz, v.a. des Typ 2 und Gestationsdiabetes und deren Folgeerkrankungen, steigt weltweit erheblich an. Die Folgekosten werden von der International Diabetes Federation (IDF) auf insgesamt 420 Mrd. Euro geschätzt. Von Gegen- und Aufklärungsmaßnahmen werden sog. vulnerable Gruppen, wie beispielsweise Personen mit Migrationshintergrund und niedrigerem Bildungsstand eher seltener erreicht, weisen aber ein höheres Erkrankungsrisiko auf. Daher werden patientenzentrierte, kultursensitive Herangehensweisen gefordert, die spezifisch auf die einzelnen Gruppen abzielen. Ein Königsweg ist jedoch bislang nicht bekannt. Auf Basis eines Scoping Reviews (ScR) wurden mögliche Kommunikationsstrategien und Zugangswege für vulnerable Gruppen detektiert. Ziel war die Erstellung eines Transferleitfadens bzgl. der Ausgestaltung entsprechender Strategien unter besonderer Berücksichtigung der o.g. vulnerablen Gruppen.

Vorgehensweise

Die systematische Literaturrecherche zur Erstellung des ScRs erfolgte in verschiedenen Datenbanken (u.a. PubMed, EMBASE, PsycINFO). Es wurden alle Studiendesigns berücksichtigt, allerdings wurden nur Publikationen mit Publikationsjahr ≥ 2008 und aus Publikationsländern, die dem WHO Mortalitäts-Stratum A entsprechen, ausgewählt. Die Studienselektion erfolgte unabhängig durch zwei Personen. Die Datenextraktion erfolgte durch eine Person und wurde durch eine weitere Person überprüft. Die Ergebnisse wurden quantitativ und qualitativ zusammengefasst.

Die Ergebnisse des ScRs wurden in zwei Expert*innen Fokusgruppen (Wissenschaft n=4, Praxis n=8) diskutiert. Die Gespräche wurden aufgezeichnet und wortgetreu transkribiert. Die Transkripte wurden von zwei Personen inhaltsanalytisch ausgewertet (Elo und Kyngas, 2008). Synthese und Auswertung erfolgten durch beide Projektpartner*innen. Die Auswahl der Teilnehmer*innen erfolgte per Schneeballverfahren. Die Resultate wurden in je einer schriftlichen Kommentationsrunde rückgespiegelt, finalisiert und abschließend mit einer weiteren Projektgruppe diskutiert.

Ergebnisse

Es konnten 15 Studien identifiziert werden. Die adressierten vulnerablen Gruppen waren „ethnische Gruppe“ (n=7), „Migranten“ (n=4) und „Menschen mit einem geringen sozio-ökonomischen Status“ (n=4). Das Studiendesign umfasste vorwiegend Interventionen (n=6) und qualitative Studien (n=6). Dabei konnten in die folgenden Kategorien unterteilt werden: Community Health Worker (n=2), mediale Ansätze (n=5), angepasste Programme/ Adaptierung bestehender Programme (n=7) und Motivational Interviewing (n=1).

In den Fokusgruppen wurde der Bedarf nach qualitätsgesicherten und einheitlichen Botschaften im Kontext entsprechender Maßnahmen deutlich. Neben der reinen Wissensvermittlung spielte Bewusstmachung (‚Awareness’) eine große Rolle. Zusätzlich müssen die jeweiligen Zugangswege und kulturellen Besonderheiten der jeweiligen vulnerablen Gruppe bedacht werden.

Relevanz für die nationale Aufklärungs- und Kommunikationsstrategie

Die Erstellung eines Transferleitfadens soll Praxisakteure unterstützen, Kommunikationsstrategien bzw. Zugangswege zielgruppenspezifisch auszugestalten. Damit soll insbesondere die Erreichbarkeit sog. vulnerabler Gruppen gesteigert und ein wichtiger Beitrag zur nationalen Aufklärungs- und Kommunikationsstrategie geleistet werden.

Fazit

Die Inhalte von Aufklärungskampagnen sollten sich im Wesentlichen an der Zielgruppe orientieren. Die Informationen sollten evidenzbasiert und zielgruppengerecht aufbereitet sein und partizipativ entwickelt werden.